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mein Weg von der kindergärtnerin zur Boudoir fotografin – und warum Boudoir so viel mehr ist als ein fotoshooting
ramona lehmann
Ich erinnere mich noch gut an diesen einen wichtigen Moment in meinem Schlafzimmer an einem kalten Januar Abend im Jahr 2019. Es schneite draussen vor dem Fenster und ich hatte mir auf zwei A4 Blätter Worte notiert, die mich zu einer Entscheidung bringen sollten. Eine Entscheidung, die ich bereits einige Zeit mit mir herumgetragen hatte und die heute Abend zu einem Ergebnis kommen sollte. Auf dem einen Blatt stand: «Fotografin werden», auf dem anderen «Kindergärtnerin bleiben».
Heute weisst du natürlich, wie ich mich entschieden habe. Aber damals fühlte sich diese Entscheidung schwierig und ehrlich gesagt auch ein wenig verrückt an. Seit ein paar Jahren war ich Kindergärtnerin gewesen und eigentlich ganz glücklich damit. Ich hatte mir seit dem Studium etwas aufgebaut und war diesen Weg mit Klarheit und Freude gegangen. Es war ein sicherer Job und ich hatte mich bewusst dafür entschieden. Aber trotzdem war da dieses Gefühl in mir, dieses leise Ziehen und immer wieder der Gedanke: «Da ist noch etwas anderes, was entdeckt und gelebt werden will.»
Die Fotografie hat mich mein Leben lang begleitet und nach einem intensiven Workshop im Mai 2018 hatte ich mir immer mehr Bereiche der Fotografie angeeignet, Ausbildungen gemacht, eine Homepage aufgebaut und erste Aufträge umgesetzt. Ich fotografierte Paare, Hochzeiten, Familien.
"wie ein puzzle-teil, das endlich seinen platz im grossen ganzen findet."
Aber der Moment, der alles verändert hat, war im Dezember 2018, als ich mein erstes Boudoir Shooting im Rahmen einer Hochzeitsreportage machen durfte. Etwas fühlte sich anders an. Tiefgreifender. Es fühlte sich an, wie ein Puzzle-Teil, das endlich seinen Platz im grossen Ganzen findet.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich es gar nicht so genau beschreiben, aber es fühlte sich richtig an, diesen Weg zu verfolgen. Ich hatte in nur einem Shooting erkannt, wie bedeutsam Boudoir für die Frau vor der Kamera sein kann. Was es verändern und auslösen kann. Dieser Gedanke war so stark, dass er mich nicht mehr losgelassen hat. Es ging nicht nur um schöne Bilder, sondern um Sichtbarkeit. Frauen darin zu begleiten, sich wirklich zu sehen, sich zu feiern, ihre Weiblichkeit und Sinnlichkeit zu leben, in die eigene Kraft zu kommen.
Der Schritt in die Selbstständigkeit war alles andere als leicht und definitiv nicht frei von Unsicherheiten, Fragen und Momenten, in denen ich gezweifelt habe, ob ich wirklich bereit dafür bin. Gleichzeitig war es mit der Boudoir Fotografie eine Reise zurück zu mir selbst, zu meinem Körper, zu meiner Weiblichkeit und zu dem Gefühl, alles loszulassen, was nicht länger zu mir gehört oder nie zu mir gehört hatte. Ich denke, dass mir meine Arbeit heute so viel bedeutet, weil ich weiss, wie es sich anfühlt und wie viel sich verändern kann, wenn man beginnt, sich selbst zu sehen.
Heute darf ich Frauen durch Erlebnisse begleiten, die in ihnen oft viel mehr verändern, als sie am Anfang erwarten, und ich sehe jedes Mal aufs Neue, wie sie im Atelier ankommen und wie sie schliesslich gehen, mit einer ganz anderen Energie, einer anderen Haltung und einem anderen Blick auf sich selbst.
In diesen Momenten weiss ich ganz sicher, dass ich in dieser kalten Januarnacht 2019 die richtige Entscheidung getroffen habe.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch, dass da etwas in dir ist, das mehr möchte: mehr Selbstliebe, mehr Verbundenheit, mehr Sinnlichkeit, mehr du selbst. Und vielleicht wartest du noch auf den richtigen Moment oder darauf, dich bereit zu fühlen. Die Wahrheit ist: Du musst nicht alles sofort wissen, du musst keinen perfekten Plan haben und du musst auch nicht „bereit“ sein, um den ersten Schritt zu gehen.
Du darfst deinem Gefühl vertrauen.
Denn genau dort beginnt meistens alles.
Von Herzen,
deine Ramona








